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Politische Bedeutung der Radlnacht Augsburg

Die Radlnacht Augsburg ist als Demonstration angemeldet. Wir wollen darauf aufmerksam machen, wie wichtig sicheres Radfahren zu allen Jahres- und Tageszeiten ist.

Die Veranstaltung verdeutlicht, dass eine fahrradfreundliche Infrastruktur Menschen motiviert, das Fahrrad zu benutzen. Wir werben fĂŒr eine moderne Verkehrspolitik, die den Fahrradverkehr in Augsburg deutlich stĂ€rker fördert.

Die thematischen Schwerpunkte

2026: „LĂŒcken schließen“ – fĂŒr ein durchgĂ€ngiges und sicheres Radwegenetz

2025: „Ungerechte FlĂ€chenverteilung des öffentlichen Raums“ und „feministische Radverkehrspolitik und -Infrastruktur“

2024: „Wenn die Stadtregierung die Radlnacht nicht mehr veranstalten möchte, dann machen wir sie eben selbst. Augsburg braucht motivierende Fahrradevents als Radverkehrsförderung.“

2026: „LĂŒcken schließen“

Tausende Menschen steigen bei der Radlnacht aufs Fahrrad, weil sie sichere Radwege wollen. Die Radlnacht macht die Begeisterung sichtbar und soll OberbĂŒrgermeister Dr. Florian Freund und die kommende Stadtregierung auffordern, die Verbesserungen schneller umzusetzen.

LĂŒcken in der Infrastruktur

Viele Augsburger*innen fahren tĂ€glich mit dem Fahrrad zur Arbeit oder zur Schule. An vielen Stellen fehlen sichere und durchgĂ€ngige Radverbindungen: Radwege enden plötzlich, Kreuzungen sind gefĂ€hrlich gestaltet und wichtige Verbindungen zwischen Stadtteilen sind unzureichend ausgebaut – und das selbst auf wichtigen Strecken wie der Donauwörther Straße und der Achse Schaezlerstraße - Königsplatz.

Eine moderne Fahrradstadt braucht ein lĂŒckenloses und sicheres Netz, das es Menschen ermöglicht, alltĂ€gliche Wege zuverlĂ€ssig mit dem Fahrrad zurĂŒckzulegen.

Das Motto der Radlnacht 2026 lautet deshalb: LĂŒcken schließen – fĂŒr ein durchgĂ€ngiges, sicheres und komfortables Radwegenetz in Augsburg

Radwege in Ordnung bringen

Nach wie vor erzeugen LĂŒcken und BrĂŒche in der RadwegfĂŒhrung gefĂ€hrlichen Stellen im Radverkehrsnetz. Die Radlnacht richtet die Forderungen an den neuen OberbĂŒrgermeister Dr. Florian Freund und die neu zu bildende Stadtregierung, mit der Botschaft

"Radwege in Ordnung bringen".

In der vergangenen Legislaturperiode sind Verbesserungen fĂŒr den Radverkehr umgesetzt worden, unter anderem durch den "Radvertrag" zwischen den Initiatoren des BĂŒrgerbegehrens und der Stadtregierung. FĂŒr die kommenden Jahre fehlen jedoch konkrete Maßnahmen, es droht eine UmsetzungslĂŒcke.

Die erst in einigen Jahren kommenden Radvorrangrouten sind ein großer und wichtiger Schritt zur Verkehrswende. Dabei dĂŒrfen die aktuell genutzten, alltĂ€glichen Radwege und ihre gefĂ€hrlichen Stellen jedoch nicht vergessen werden.

Pressemitteilung Radlnacht 2026 (PDF)

2025: „ungerechte FlĂ€chenverteilung des öffentlichen Raums“ und „feministische Radverkehrspolitik und -Infrastruktur“

Ungerechte FlÀchenverteilung des öffentlichen Raums

In Augsburg wird dem Autoverkehr zu viel Vorrang eingerĂ€umt und die Belange des Radverkehrs werden oftmals vernachlĂ€ssigt. Lange Ampelwartezeiten, zu hohe Bordsteinkanten und plötzlich endende Radwege sind immer noch an der Tagesordnung in der selbsternannten „Fahrradstadt“.

Eine gleichberechtigte Förderung des Radverkehrs in Augsburg ist jedoch notwendig, damit BĂŒrger*innen sich auf eine großzĂŒgige und sichere VerkehrsfĂŒhrung verlassen können und dadurch stĂ€rker zum Radfahren motiviert werden.

Ungerechte FlÀchenverteilung der Verkehrsarten Beispiel aus Augsburg

Geschlechterrollen und Verkehr

Toxische MĂ€nnlichkeiten

Autos erfĂŒllen wichtige Funktionen: sie dienen der Personenbeförderung, dem Transport, wirtschaftlichen AktivitĂ€ten, der Versorgung. In vielen Situationen gibt es derzeit keine vernĂŒnftige Alternative.

Autos sind auch Symbol toxischer MÀnnlichkeiten. Sie sind laut, stark, schnell und nehmen viel Platz ein. Das sind Eigenschaften, die mit einem veralteten und zerstörerischen Bild von MÀnnlichkeit verbunden werden.

Das Statussymbol Auto fĂŒhrt zu riskanterem Fahrverhalten bei MĂ€nnern. Es fördert durch die Verbindung von Technik und Leistung mit MĂ€nnlichkeitsnormen traditionelle Rollenbilder einer patriarchal schĂ€digenden Gesellschaft.

Das Beibehalten der autozentrierten Infrastruktur sperrt uns damit weiter in einer Welt ein, in der dieses gefÀhrliche VerstÀndnis gefördert wird.

Toxische MĂ€nnlichkeit im Verkehr

Verkehrsplanung vergisst Care-Arbeit

Das aktuelle Verkehrssystem und die Verkehrsplanung sind auf den klassischen Arbeitsweg zugeschnitten: Menschen, die zur Arbeit und wieder zurĂŒck fahren. Sie ist darauf ausgelegt, schnell weite Strecken zu ĂŒberwinden zu können.

Dabei wird die Perspektive der Menschen, die Care-Arbeit leisten, systematisch vernachlÀssigt. Und das, obwohl diese mehr Erfahrung mit ökologischerer MobilitÀt haben.

Ihre MobilitĂ€tsmuster sind anders: mehr Kinderbetreuung, mehr Haushaltsorganisation, hĂ€ufiger Teilzeit. Klassische Verkehrsplanung ignoriert diese MobilitĂ€tsmuster. Eine echte Verkehrswende muss deshalb unterschiedliche LebensrealitĂ€ten stĂ€rker berĂŒcksichtigen.

Care-Arbeit und Verkehrsgestaltung

Care-Arbeit verursacht komplexere Wege. Auch wenn wir als Gesellschaft gerade dabei sind, traditionelle Rollenbilder aufzubrechen, sind es immer noch Frauen*, die den Großteil der Care-Arbeit verrichten. Dazu gehört auch, die Kinder mit dem Rad oder ÖPNV zur Schule, Kita oder in den Verein etc. zu bringen. Dazwischen noch schnell die EinkĂ€ufe erledigen und zurĂŒck nach Hause fahren.

Care-Arbeit verursacht komplexere Wege

Menschen, die Care-Arbeit leisten, fahren oder laufen hĂ€ufig kĂŒrzere Strecken, die komplexer verknĂŒpft sind. In der Forschung nennt man die komplexeren Wegeketten das Trip Chaining.

Die Verkehrswende (weg vom Auto hin zu Fahrrad, ÖPNV usw.) muss daher feministische Perspektiven berĂŒcksichtigen.

In Wien wird geschlechtergerechte Stadtplanung und Stadtentwicklung seit 25 Jahren umgesetzt:
https://www.wien.gv.at/frauen/gendergerechte-stadtplanung

https://de.wikipedia.org/wiki/Eva_Kail (Stadtplanerin Wien)

Frauen als Vorreiter und Vorbilder der Verkehrswende

Politik und Kommunen möchten Verkehr klimafreundlicher, effizienter und ressourcenschonender gestalten. FĂŒr viele Frauen mit niedrigem Einkommen ist dieses Ziel lĂ€ngst RealitĂ€t.

Viele Frauen leben die Verkehrswende bereits, weil sie es mĂŒssen. Sie bewĂ€ltigen komplexe Wegeketten und Alltagsanforderungen im Umweltverbund aus öffentlichen Verkehrsmitteln, Rad- und Fußverkehr.

Frauen erleben unmittelbar, wo das Verkehrssystem unsicher, teuer oder unpraktisch ist. Dieses Erfahrungswissen ist sehr wertvoll und wird von mĂ€nnerzentrierter Stadtplanung nicht ausreichend berĂŒcksichtigt.

Frauen sind der Gradmesser fĂŒr gute Bedingungen im Radverkehr. Wenn sie und ihre Kinder sicher unterwegs sein können, dann ist die Infrastruktur fĂŒr alle Nutzer*innengruppen sicher.

Kinder nicht vergessen

Kinderfreundliche Verkehrsraumgestaltung bedeutet Sicherheit und LebensqualitĂ€t fĂŒr alle Menschen. Die LebensqualitĂ€t einer Stadt lĂ€sst sich daran messen, wie selbststĂ€ndig und sicher Kinder sich in ihr bewegen können (Colin Ward, Das Kind in der Stadt).

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV) nennt angepasste und vertrĂ€gliche Geschwindigkeiten des Fahrzeugverkehrs sowie gute Sichtbeziehungen zwischen allen Verkehrsteilnehmenden als wesentlichste Bausteine. Besondere Aufmerksamkeit kommt dabei jenen Wegepunkten zu, an denen Kinder die Wege des Fahrzeugverkehrs kreuzen. FĂŒr die sichere selbststĂ€ndige Fortbewegung von Kindern ist eine selbsterklĂ€rende, intuitiv erfassbare WegefĂŒhrung wichtig, die dem natĂŒrlichen BedĂŒrfnis entgegenkommt, Distanzen in gerader Linie zu ĂŒberwinden.

Was muss sich Àndern?

Augsburg braucht ein flĂ€chendeckendes, zusammenhĂ€ngendes Radwegenetz fĂŒr Alltagswege. Insbesondere in InnenstĂ€dten sollte die Infrastruktur vom motorisierten Verkehr getrennt sein.

Fahrradleihsysteme mĂŒssen gĂŒnstiger werden und auch bei Sozialleistungsbezug zugĂ€nglich werden.

Niedrigschwellige Bildungsangebote wie Radfahrkurse senken die EinstiegshĂŒrden zu selbstbestimmter MobilitĂ€t.

Forderungen an die Politik

Das Fahrrad als Emanzipationsmittel

Als sich das Fahrrad Ende des 19. Jahrhunderts in Westeuropa als alltÀgliches Verkehrsmittel etablierte, nutzten auch Frauen diese neue Form der MobilitÀt, um unabhÀngiger und sichtbarer im öffentlichen Raum zu werden.

Bis heute ist das Fahrrad ein wichtiges Symbol politischer und feministischer Bewegungen.

2024: Augsburg ist „Radlnacht-Stadt“

Im VerhĂ€ltnis zur Einwohnerzahl verzeichnen die Augsburger RadlnĂ€chte weit ĂŒberdurchschnittliche Teilnehmerzahlen gegenĂŒber anderen StĂ€dten und Gemeinden.

Die Augsburger Radlnacht ist ein starkes Zeichen fĂŒr die politische Bedeutung des Radverkehrs in Augsburg:

Tipp: Zweimal jĂ€hrlich organisiert ein Augsburger BĂŒndnis um den ADFC die Augsburger Kidical Mass:
https://augsburg.adfc.de/artikel/kidicalmass

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